Die Nabelschnurpunktion

Vorgehen bei der Nabelschnurpunktion

Aufklärung des betroffenen Paares über die Risiken dieses/r Eingriffes/ Narkose bei Kaiserschnitt

Gefahren des Eingriffes:

Vor der 24. SSW
- Fehlgeburt
- Frühgeburt (mit hohem Risiko einer Behinderung aufgrund der SSW beim Kind bei Überleben)

Nach der 24. SSW
- Frühgeburt (bessere Überlebenschance)
- Notfallkaiserschnittbereitschaft des Op´s
- Lungenreifungsspritze 48 h vor dem Eingriff.

Untersuchungen
- Dopplersono Messung der Blutfließgeschwindigkeit der Arteria ceribri media
- Blutentnahme bei der Schwangeren; Blutgruppenbestimmung > Kreuzprobe > Suche nach geeignetem Erythozytenkonzentrat
  für Schwangere und Fetus.
- CTG


Vorbereiten zum Eingriff

Desinfektion der Bauchdecke der Schwangeren, Lokalisation der Nabelschnur und der Plazenta per Dopplersono, Kontrolle der Fließgeschwindigkeit der A. cerebri media und der Nabelschnur.
Einstich mit langer Nadel unter ständigem Sono. Bei gutem Sitz der Nadel Blutentnahme aus der Nabelschur um den kindlichen Hämoglobin- Wert (HB) zu bestimmen.
Berechnung der Menge von benötigtem Erythrozytenkonzentrat (EK) um optimale Werte, unter Berücksichtigung der SSW zu bekommen.
Bei niedrigem HB sofortiges transfundieren mit passendem EK durch die sitzende Nadel direkt in die Nabelschnur.
Während/ nach der Punktion CTG Überwachung, noch bis 4 h nach der Punktion im Kreißsaal/Geburtstation.
Am folgenden Tag Sono- oder Dopplersonokontrolle.

Je nach Klinik stationär oder ambulant.



Medizinische Info`s: 
zur Nabelschnurpunktion  und der interuterine Erythrozytentransfusion


Die Erythroblastiosis fetalis (alte Bezeichnung für:  Morbus haemolyticus fetalis; Blutarmut beim Feten) ergibt in Abhängigkeit ihres Schweregrades auch schon vorgeburtliche Indikation zur Transfusion eines EKs. Die transabdominelle Punktion der Nabelschnur ermöglicht die direkte intravenöse (in die Vene) Transfusion.
Als Punktionsinstrument  wird eine sonographisch möglichst gut sichtbare 20 Gauge-Nadel verwendet. Transfundiert wird gefiltertes, bestrahltes CMV negatives EK der Blutgruppe 0 Rhesus negativ. (CMV >Cytomegalie>Speicheldrüsenkrankheit)
Bei einer Nabelschnurtransfusion sind als Komplikationen das Nabelschnurhämatom ( Fehltransfusion in die Wharton´sche Sulze), Vasospasmus (Gefäßkrampf), bei arterieller Punktion fetale Bradycardie (langsame Schlagfolge des Herzens), intraamnial (in die Fruchtblase) Blutung, vorzeitige Wehentätigkeit, vorzeitiger Blasensprung und die Verletzung des Feten möglich.
Eine immunologische Sensibilisierung der Schwangeren ist besonders bei wiederholter Transfusion zu warten.
Ein durch die Punktion verursachtes Fehl- bzw. Frühgeburtsrisiko ist mit 1-2% nicht zu vernachlässigen.
Die Überlebensrate bei transfunsionspflichtiger fetaler Erkrankung werden mit 78 - 95 % angegeben. Die Normalisierung der Hämoglobin-Werte zur Schwangerschaftsverlängerung markieren neben der Vermeidung interuteriner fetaler Blutungen bzw. hypoxischer Schäden (Sauerstoffmangel) die übergeordnete Absicht dieser Eingriffe.
Die vorherrschende Indikation zum Eingriff war meistens die "klassische" Rhesusinkompatibilität. Weitere zu transfusionspflichtigen Hämolyse (Zerstörung der roten Blutkörperchen des Feten) führenden Antikörper entstammen dem Kidd, Rhesus (Anti E und Anti C) oder auch dem Kell-System.